Stufenprofil 1. Stufe1. Die Kinder im ErststufenalterWer sind sie?Die Kinder zwischen 8 und 11 Jahren wollen Entdeckungen und Erfahrungen machen.
Sie sind vertrauensvoll und begeisterungsfähig und handeln meistens nach Gefühlen
und aus dem Bauch heraus. In diesem Alter haben die Kinder eine überbordende
Phantasie: Sie leben Geschichten und Situationen nach, die sie gelesen, gesehen oder
erfunden haben, und gehen dabei bis zur Übertreibung. Sie identifizieren sich gerne
mit den Personen, Helden und Beteiligten ihrer Geschichten. Nach und nach werden die
Kinder mehr realitätsbezogen und wollen den Dingen auf den Grund
gehen. Was wollen sie? Die Kinder haben das Bedürfnis:
2. Die Ziele Um den Kindern die Möglichkeit zu geben, sich ihren Eigenschaften und
Bedürfnissen gemäss harmonisch zu entwickeln, setzt sich die 1. Stufe folgende
Ziele:
Die Beziehung zur Persönlichkeit:selbstbewusst und selbstkritisch
sein. Die Kinder entwickeln die Fähigkeit,
Die Beziehung zu den Mitmenschen anderen frei begegnen und sie
respektieren. Die Kinder werden unterstützt:
Die Beziehung zur Welt:kreativ sein und umweltbewusst handeln. In
einem geschützten Rahmen wird den Kindern ermöglicht:
Die Beziehung zum Körpersich annehmen und sich ausdrücken. Durch
möglichst verschiedene Aktivitäten können die Kinder:
Die Beziehung zu Gott, spirituelle Beziehungoffen sein und
nachdenken. Die Kinder werden dazu geführt:
3. Die Methoden Den Kindern wird eine ganzheitliche Entwicklung ermöglicht. Um dieses Ziel zu
erreichen, werden verschiedene Methoden eingesetzt, die alle in Zusammenhang mit
den, unter «Die Ziele» genannten, fünf Beziehungen stehen. Symbolik und Rahmengeschichte Die Kinder haben Bedürfnisse nach Traumwelt, Phantasie und Identifikation. Aus
diesem Grund wird in der 1. Stufe mit einer ausgeprägten Symbolik gearbeitet, welche
sich als roter Faden durch das Programm zieht und damit den verschiedenen
Aktivitäten einen umfassenden Rahmen gibt. Zwei verschiedene Symbolsysteme –
die Bienligeschichte und das Dschungelbuch von R. Kipling (Wölfe) – stehen
zur Verfügung und bieten den Rahmen für vielfältigen Aktivitäten. Sie werden sowohl
von reinen Mädchen- resp. Bubeneinheiten, als auch von gemischten Einheiten als
Grundlage verwendet. Die Symbolik soll aber keinesfalls so verstanden werden, dass
nur Bienli und Wölfe unsere Rahmengeschichten bereichern sollen. Auch andere Themen
können – über kürzere oder längere Zeit – Grundlage für unsere
Aktivitäten (Übungen, Quartalsprogramme, Weekends, Lager) sein. Im Vordergrund steht
aber auf jeden Fall, dass die Aktivitäten durch ein Thema bzw. eine Rahmengeschichte
unterstützt werden. Spielen In der 1. Stufe ist das Spiel das wichtigste Erfahrungsfeld. Im Spiel können
die Kinder Alltagssituationen nachvollziehen und verarbeiten. Durch spielerisches
Experimentieren gelingt es den Kindern, die verschiedensten Zusammenhänge zu
erkennen. Im Spiel äussert sich die bei Kindern in diesem Alter typische
Phantasiewelt. Dazu genügen ihnen oft ganz einfache Materialien. Im Spiel können
sich die Kinder vergessen. Sie erleben dadurch eine innere Befreiung, die es ihnen
ermöglicht, ihre ganze Persönlichkeit zu erfahren und unvorhergesehene Situationen
zu meistern. Natürlich lernen sie auch zu verlieren. Leben in der Gruppe In der 1. Stufe findet das Leben vorwiegend in Grossgruppen statt. Bei den
reinen Mädcheneinheiten sind es Völker, bei den reinen Knabeneinheiten und einem
grossen Teil der gemischten Einheiten Meuten. Die Völker/ Meuten bieten den
Bienli/Wölfen Gelegenheit, in der Geborgenheit der Gemeinschaft zu leben. Im
Unterschied zur 2. Stufe, nehmen bei der 1. Stufe die Kleingruppen eine geringere
Bedeutung ein. Ein Volk wird in ca. 2 bis 4 Waben eingeteilt; bei den Wölfen heissen
diese Kleingruppen Rudel. Die Kleingruppen sind vorwiegend organisatorische
Hilfsmittel und dienen den erfahrenen Bienli und Wölfen zur Übernahme von
Verantwortung. Persönlicher Fortschritt In der 1. Stufe beginnt das Bienli/der Wolf seinen Pfadi-Weg zum
ganzheitlichen Menschen. Die Aufgabe des Leitungsteams ist es, jedes einzelne Bienli
und jeden Wolf auf diesem Weg zu begleiten, um es oder ihn zu einer gewissen
Selbständigkeit zu führen. Dieser Weg, den jedes Kind in der Pfadi mitmacht, wird
Persönlicher Fortschritt genannt. Flüg us und Gueti
Jagd sind Mittel, die sich mit dem dem Persönlichen Fortschritt
auseinandersetzen und ihn sichtbar machen. Bei den Bienli spricht man vom «Flug» mit
den Etappen Jungbienli, Erst- und Zweisternbienli, während bei den Wölfen der
Persönliche Fortschritt «Spur» genannt wird und in die Etappen Jung-, Stern- und
Zweisternwolf aufgeteilt wird. Das Leiter/innen-Handbuch «Mis Bescht» ist das
Hilfsmittel für das Leitungsteam. Es erläutert wie der Persönliche Fortschritt auf
der 1. Stufe praktisch umgesetzt werden kann. Diese Hilfsmittel ermöglichen es dem
Leitungsteam, das Bienli oder den Wolf zu begleiten und seinen Persönlichen
Fortschritt innerhalb der fünf Beziehungen zu beobachten und zu dokumentieren.
Die Personen des Dschungelbuchs entdecken.
Mitbestimmen und Verantwortung tragen Im kleinen Rahmen ist es möglich, die Kinder auch schon in der 1. Stufe in
Entscheidungen einzubeziehen und ihnen Verantwortung zu übergeben. Denn bereits dem
Bienli und dem Wolf können Aufgaben übertragen werden, die sie für die Gemeinschaft
ausführen. Solche kleinere Aufgaben sind zum Beispiel unter dem Namen «Ämtli»
bekannt. Das Kind lernt damit, Verantwortung für eine Aufgabe zu übernehmen und so
in einem kleinen, seinem Alter angepassten Rahmen, mitzubestimmen. Diese Erfahrung
verhilft ihnen zur Übernahme immer grösserer Verantwortung und erweitert ihre
Einflussmöglichkeiten. Als Leitwolf/Leitbienli übernehmen die Kinder innerhalb der
Gruppe Aufgaben, womit sie jüngeren Bienli/Wölfen helfen, auf ihrem Weg einen
Schritt vorwärts zu kommen. Gesetz und Versprechen
Gesetz
Im Gesetz werden Spielregeln für das Leben bei den Bienli/Wölfen formuliert.
Bienli und Wölfe lernen, dass Regeln einen Sinn haben und das Zusammenleben in einer
Gemeinschaft erst ermöglichen. Sie erfahren, dass sie sich an die Regeln halten
müssen. Mit dem Versprechen drücken die Kinder aus, dass sie ihr Bestes (Wahlspruch)
geben und die Spielregeln (Gesetz) einhalten wollen. Die Worte des Gesetzes bedeuten dem Kind erst etwas, wenn es den Inhalt immer
wieder erlebt. Wichtig ist das Vorbild, das Leiter und Leiterin geben. Versprechen:
Ich wott bi de Wölf/Bienli mitmache. Ich gib mir Müe, mis Beschte z tue und mich a
öises Gsetz z halte. Das Kind bringt mit dem Versprechen zum Ausdruck, dass es
dazugehören will. Das Versprechen soll dem Kind helfen, auch unter der Woche ein
Bienli/Wolf zu sein und so zu handeln.
Wahlspruch:
Der Wahlspruch bedeutet, dass die Kinder ihr Bestes geben wollen, um nach
Gesetz und Versprechen zu handeln. Sie erfahren, dass man nicht immer der/die Beste
sein muss, sondern dass es vor allem wichtig ist, sein Bestes zu geben. Draussen lebenErlebnisse in der Natur bilden eine wichtige Grundlage, um die Zusammenhänge
von Mensch und Umwelt zu erkennen. Die Natur kennen zu lernen, sie zu beobachten,
Veränderungen wahrzunehmen und darin zu spielen, ist für das Bienli und für den Wolf
wichtig. Kinder lernen so früh, sich Gedanken über ihr eigenes Tun und Handeln in
der Natur zu machen. Dadurch lernen sie auch die Natur zu schätzen und zu
schützen. Rituale und Traditionen Die Rituale und Traditionen helfen den Kindern, sich in die Pfadi einzuleben
und sie kennen zu lernen. Sie geben ihnen Halt und lassen sie das
Zusammengehörigkeitsgefühl spüren. Mit Hilfe von Traditionen bekommt das Leben des
Volkes/der Meute einen Rhythmus, den die Kinder mitleben können. Traditionen geben
auch die Möglichkeit, die Eltern in das Volks-/Meutenleben einzubeziehen. Zu den
stufenspezifischen Traditionen und Ritualen gehören: Rufe, Wimpel, Meutebuch,
Volksbuch, Ratsfelsen, Lager, Taufe, Bienliname, Wolfsname, Elternabend u.v.m. 4. Beginn, Abschluss und Übertritt Mit dem Eintritt in die 1. Stufe beginnt die Pfadizeit. Häufig kommen neue
Kinder in die 1. Stufe, weil sie von Bienli/Wölfen zum Mitmachen motiviert werden.
Wichtig in dieser Eintrittsphase ist, dass die Kinder rasch in die Gruppe integriert
werden. Dies kann durch unterschiedliche Traditionen und Rituale unterstützt werden.
5. Leiterinnen und Leiter Für Leiterinnen und Leiter bildet die 1. Stufe eine grosse Herausforderung.
Sie müssen das Vertrauen, das ihnen von den Kindern und den Eltern entgegen gebracht
wird, ernst nehmen. In allem was sie tun, sind sie ein Vorbild für die Kinder. Die
Leiterinnen und Leiter sollen Erlebnisse ermöglichen, die den Bewegungsdrang und der
Neu-gierde der Kinder entsprechen und die grosse Vielfalt der Pfadiaktivitäten
widerspiegeln. Erlebnisse, die das Gruppenerlebnis fördern und dabei Geborgenheit
vermitteln, sind die Voraussetzung für die Entwicklung der Persönlichkeit des
Kindes. Das nötige Wissen bekommen die Leiterinnen und Leiter in den verschiedenen
Ausbildungskursen, die auf lokaler, kantonaler und Bundesebene angeboten werden.
Diese fundierte Ausbildung, die in Zusammenarbeit mit Jugend+Sport stattfindet,
macht es möglich, die grosse Verantwortung zu übernehmen. |





