Stufenprofil 4. Stufe
1. Die jungen Erwachsenen der 4. Stufe
Wer sind sie?
Durch das Erlangen der Volljährigkeit sind die jungen Erwachsenen jetzt für
sich selbst und auch andere verantwortlich. Ab 18 verlassen die jungen Erwachsenen
ihr Elternhaus entweder kurzfristig (wegen Studium, Praktikum, Reise, oder
Sprachferien) oder für immer. So erwerben sie ihre Selbständigkeit und sie beginnen,
für ihr eigenes Leben verantwortlich zu sein. Die grössere
Unabhängigkeit von der Familie erlaubt den jungen Menschen, ihr Leben nach ihren
eigenen Werten und nach ihren eigenen Vorstellungen zu gestalten. Die jungen
Erwachsenen nehmen immer intensiver am Gesellschaftsleben teil und ihr Engagement
für grosse politische und gesellschaftliche Themen beginnt. Diese Engagements
widerspiegeln die Erwartungen und die Wünsche, die die jungen Erwachsenen an die
Gesellschaft haben. Der Wunsch und die Notwendigkeit, Teil einer
Gruppe zu sein, treten in den Hintergrund. Jetzt wollen die junge Leute
persönlichere Beziehungen eingehen. Sie wollen langfristige Freundschaften aufbauen
und selbst über ihre Art des weiteren Zusammenlebens entscheiden, z.B. zu zweit oder
alleine wohnen etc.
Was wollen sie?
Junge Erwachsene wollen
 | die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen. |
 | ihre Identität entwickeln und ihren Lebensstil finden. |
 | sich in Geist und Körper wohl fühlen. |
 | Engagement für die Gesellschaft zeigen und die Welt beeinflussen. |
 | die Welt kennen lernen und andere Kulturen erleben. |
 | ihrem Leben einen Sinn geben. |
 | Partnerschaft erleben. |
2. Die Ziele
Die 4. Stufe, das ist Abenteuer, Spass und die Zeit, sich Herausforderungen,
die das Leben bringt, zu stellen. Aufgrund ihrer Bedürfnisse setzen sich die
Mitglieder der 4. Stufe Ziele, die sie herausfordern. Die Pfadibewegung bietet ihnen
einen geeigneten und vielfältigen Rahmen, um die eigene Kompetenzen und Erfahrungen
zu erweitern und verfolgt folgende Ziele:
Die Beziehung zur Persönlichkeit: selbstbewusst und
selbstkritisch sein. Die jungen Erwachsenen
 | können sich eine eigene Meinung bilden und setzen sich für ihre Ideen und
Ideale ein. |
 | sind selbstkritisch und wagen es, sich selbst zu hinterfragen. |
 | engagieren sich nach ihren Fähigkeiten und Interessen. |
 | kennen ihre Grenzen, überwinden diese und/oder anerkennen ihre
Möglichkeiten. |
Die Beziehung zum Körper: sich annehmen und sich ausdrücken. Die
jungen Erwachsenen
 | gehen respektvoll mit ihrem Körper um. |
 | sorgen für die Gesundheit von Körper und Geist vor. |
 | kennen ihre körperlichen Fähigkeiten und können sich richtig einschätzen. |
 | nützen ihren Körper als Ausdrucksmittel und alle Sinne für ihre
Wahrnehmung. |
Die Beziehung zu den Mitmenschen: anderen frei begegnen und sie
respektieren. Die jungen Erwachsenen:
 | setzen sich für und in der Gesellschaft ein. |
 | sind teamfähig. |
 | fühlen sich für andere verantwortlich. |
 | begegnen fremden Lebenswelten mit Wertschätzung, versuchen sie kennen zu
lernen, zu verstehen und mitzugestalten. |
 | nutzen die kulturelle Vielfalt der internationalen Pfadibewegung und
gestalten sie mit. |
Die Beziehung zur Welt: kreativ sein und umweltbewusst handeln.
Die jungen Erwachsenen
 | gestalten ihre Umwelt, schaffen und erhalten einen gesunden Lebensraum. |
 | nützen die Natur als Raum für vielfältige Aktivitäten. |
 | zeigen Kreativität und Eigeninitiative bei der Auswahl aus dem
Freizeitangebot. |
Die Beziehung zu Gott, spirituelle Beziehung: offen sein und
nachdenken. Die jungen Erwachsenen
 | nehmen Gesetz und Versprechen der Pfadibewegung als Basis für ihr
Engagement. |
 | setzen sich mit Religion und Glauben auseinander. |
 | gestalten ihr Leben nach ihren eigenen Werten. |
 | haben Überzeugungen und sind bereit, diese zu begründen und zu
hinterfragen. |
 | können das Leben geniessen und Lebensfreude vermitteln. |
3. Die Methoden
Spielen
Spielen bedeutet, einen Ausgleich zu sonstigen Tätigkeiten finden und etwas
gemeinsam tun. Rotten oder sonstige Gruppen finden sich zu Spielabenden zusammen, an
denen ja nach Interesse die verschiedensten Gesellschaftsspiele ausprobiert und
gepflegt werden. Die Auswahl an Denk-, Glücks- oder Bewegungsspielen ist gren-zenlos
und auch den sportlichen Aktivitäten sind (fast) keine Grenzen
gesetzt. In Teams (Leitungsteam, Kursleitung etc.) werden Spiele zur
Teambildung und Teamentwicklung, zur kreativen Arbeit an speziellen Themen und als
Präsentationsform eingesetzt.
Leben in der Gruppe
In der 4. Stufe steht der/die Einzelne im Mittelpunkt und nicht mehr die
Gruppe. Jede und jeder hat die Möglichkeit sich zu entscheiden, in welcher Art und
Weise, er/sie Pfadi leben möchte, – aber ein Rover kommt selten allein: Die
4. Stufe bietet verschiedene Möglichkeiten, um sich in Gruppen zu organisieren, sich
mit anderen jungen Leuten zu treffen, mit Unternehmungslustigen Pläne auszuhecken,
mit Freundinnen/Freunden Gemütlichkeit zu pflegen oder eigene Ideen zu verwirklichen.
Die Rotte: Sie organisiert sich selbst; hat eine wechselnde Aufgabenverteilung
und das Rottenleben hängt oft von der Tradition der Abteilung ab. Sie unterstützt
die Abteilung und kann für spezielle Projekte auch mit anderen Organisationen
und/oder externen Spezialisten zusammenarbeiten. Die Projektrotte:
Hier finden sich Rover zusammen, die gemeinsam an einem bestimmten Projekt arbeiten
wollen. Die Leiterinnen- und Leiter-Rotte: Auch die Mitglieder des
Leitungsteams sind Rover. Die Leiter/innen- Rotte ist ein Ort, an dem Leiterinnen
und Leiter auftanken und ihre eigenen Aktivitäten planen können. Selbstverständlich
können Rover je nach Bedürfnis und Kapazität auch gleichzeitig in verschiedenen
Rottensystemen tätig sein. Die Rotte besitzt vielfach eine
Rottmeisterin bzw. einen Rottmeister. Diese Person dient als Kontaktpersonen nach
innen und aussen.
Persönlicher Fortschritt
Durch die Methode Persönlicher Fortschritt übernehmen die Rover die
Eigeninitiative für ihre persönliche Entwicklung innerhalb der Pfadi und in ihrem
Leben ausserhalb der Pfadi. Sie wagen sich an neue Herausforderungen in allen
Bereichen heran, z. B. übernehmen sie Verantwortung für andere Personen und komplexe
Projekte, reflektieren ihr Handeln und setzen sich persönliche Ziele. Die Roverwache
ist eine altersgerechte Form, sich mit sich selbst, der Beziehung zu Gott, den
Mitmenschen und der Umwelt auseinanderzusetzen. Darin können zum Beispiel die letzte
Erlebnisse reflektiert und neue Perspektiven entwickelt werden. Sie
erfahren, dass sie ein Leben lang immer dazu lernen und dass sie selbst die
Verantwortung dafür tragen.
Mitbestimmen und Verantwortung tragen
Das gemeinsame Planen und Durchführen eines Anlasses wird in der 4. Stufe
«Projekt» genannt. Dabei haben alle die Möglichkeit, ihre eigenen Ideen einzubringen
und die Verantwortung für das gemeinsame Gelingen zu übernehmen. In einem Projekt
beschäftigt sich eine Rotte längerfristig mit einem Thema oder Anlass und es hat oft
eine Wirkung, die über die Rotte hinausgeht. Ein Projekt ist eine Aktivität mit
ausführlicher Planung, in der ein gemeinsam formuliertes Ziel von der Rotte
angestrebt wird. Während der Arbeit werden die Phasen Ideensuche, Wahl des Projekts,
Vorbereitung, Durchführung und Auswertung durchlaufen. In der 4. Stufe
liegt die Verantwortung für alle Bereiche bei den jungen Erwachsenen selbst. Sie
sind es, die ihre Ideen zu Projekten werden lassen – ohne Sicherheitsnetz.
Gesetz und Versprechen
Wir Pfadi wollen:
 | Offen und ehrlich sein |
 | Andere verstehen und achten |
 | Unsere Hilfe anbieten |
 | Freude suchen und weitergeben |
 | Miteinander teilen |
 | Sorge tragen zur Natur und zu allem Leben |
 | Schwierigkeiten mit Zuversicht begegnen |
 | Uns entscheiden und Verantwortung tragen |
Wahlspruch:
Bewusst Handeln
Handlungen, um jenen nachzukommen. Die Tragweite des eigenen Tuns bzw.
Nicht-Tuns ist ihnen bewusst. Dadurch treiben sie nicht nur das Pfadileben voran,
sondern auch viele Prozesse in der Gesellschaft.
Was sind das Gesetz, der Wahlspruch und das Versprechen?
Das Pfadigesetz und das Versprechen lauten gleich wie in der 2. und 3.
Stufe. Rover sehen im Gesetz die Basis für die eigenen Grundsätze und
Lebensregeln. Diese Basis kann mit dem Versprechen bekräftigt werden. Eine vertiefte
Auseinandersetzung mit dem Pfadigesetz und Versprechen ist auch in der Roverwache
möglich. Leiterinnen und Leiter haben automatisch eine gewisse
Vorbildwirkung auf jüngere Pfadi. Diese nehmen sich ein Beispiel an dem, wie Ältere
Gesetz und Versprechen leben. Rover haben Ideale und setzen sich Ziele.
Sie unternehmen als selbständige offene Menschen.
Draussen leben
«Draussen leben» kann das Leben in der Natur, sportliche Aktivitäten, das
einfache Leben in einem Lager oder die Auseinandersetzung mit der Umwelt umfassen.
Rover suchen die körperliche Herausforderung, können die Natur geniessen und nützen
sie für ihre körperliche Ausgeglichenheit. Sie wissen aber mit ihr umzugehen und sie
zu schützen. «Draussen leben» heisst auch unterwegs sein. Es bietet die Möglichkeit
auf Neues zuzugehen, Menschen, fremde Kulturen und die eigenen Grenzen
kennenzulernen. Gemeinschaftseinsätze bieten eine Möglichkeit, um sich aktiv in der
Gesellschaft zu engagieren.
Rituale und Traditionen
In dieser Stufe helfen Traditionen den Pfadigeist aufzutanken und das
Zusammenarbeiten zu gestalten. Sie können dabei helfen, sich wiederzufinden, wenn
die Rottenmitglieder in verschiedene Richtungen verstreut leben und
arbeiten. Es gibt unzählige Traditionen und Rituale in der 4. Stufe.
Jede Rotte und Abteilung, jedes Korps/jeder Bezirk oder Kanton hat seine eigenen
Traditionen und Rituale: Waldweihnacht, Korpstag, Viertstufenwettkämpfe und
Wachefeier sind nur einige davon. Traditionen und Rituale
widerspiegeln sich in Rottenhöcks, Sitzungen und generell im Leitungsverhalten
(Sitzungskultur, Umgang miteinander). Sobald Leiterinnen und Leiter Verantwortung
für jüngere Pfadi übernehmen, sind sie auch für einen sinnvollen Umgang mit Ritualen
und Traditionen verantwortlich.
4. Beginn und Abschluss
Der Beginn der Viertstufenzeit ist die Aufnahme in eine Rotte, in ein
Leitungsteam oder die Gründung einer Rotte. Die Bereitschaft, Verantwortung
innerhalb der Abteilung oder der Rotte zu übernehmen ist ein wichtiger Schritt in
der Entwicklung jeder/jedes einzelnen und soll individuell gestaltet und gebührend
gefeiert werden. Es gibt keine obere Altersgrenze für die Roverstufe.
Als Richtwert kann gelten, dass solange eine Rotte in Kontakt zu ihrer Abteilung
steht und aktiv am Abteilungsleben beteiligt ist, diese Rover als Mitglieder der 4.
Stufe bezeichnet werden können.
5. Leiterinnen und Leiter
Die 4. Stufe kennt keine Leiterinnen und Leiter wie die anderen drei Stufen.
Die einzelnen Mitglieder agieren selbständig und schliessen sich, wie beschrieben,
zu verschiedenen Rottenformen zusammen. Die Rotten können Rottmeister/innen
einsetzten, die für Koordinations- und Informationsaufgaben verantwortlich sind.
Bibliographie
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