PTA- Pfadi Trotz Allem
Einführung
In der Schweiz gibt es rund 30 aktive PTA-Abteilungen. Wie es im Stufenprofile
steht, wird in diesen Pfadigruppen mit Kindern und Jugendlichen mit einer geistigen,
körperlichen oder mehrfachen Behinderung nach den 5 Beziehungen und den Methoden der
PBS Pfadiarbeit geleistet. Innerhalb der PTA-Abteilungen werden die Kinder nach
Fähigkeiten und Alter eingeteilt und die Methodik der einzelnen Stufen der
individuellen Entwicklung der Kinder und Jugendlichen angepasst. Der
folgende Text soll verdeutlichen, welche Kinder und Jugendlichen vom PTA-Angebot
profitieren und wie unsere Arbeit in der Pfadi konkret aussieht.
Kinder und Jugendliche mit einer Behinderung – wo stehen sie?
Die Kinder und Jugendlichen der PTA sind in ihrem Charakter und ihren
Handlungen so unterschiedlich wie alle Kinder und Jugendlichen. Sie sind geistig,
körperlich oder mehrfach behindert. Allen gemeinsam ist ihre Begeisterungsfähigkeit,
ihre Einsatzfreude und ihre Spontaneität, die sehr ansteckend wirken. Während Kinder
mit einer ausschliesslich körperlichen oder Sinnesbehinderung, wie Seh-, Hör- oder
Gehbehinderung, mit etwas Rücksichtnahme den Aktivitäten der altersentsprechenden
Stufen teilnehmen können, brauchen Kinder mit einer Geistig- oder
Mehrfachbehinderung mehr Aufmerksamkeit, Geduld und
Geborgenheit. Kinder mit einer körperlichen Behinderung besuchen häufig
spezielle Schulen. Ihre beeinträchtigten Fähigkeiten in einem bestimmten Bereich
machen sie teilweise durch grössere Anstrengungen in einem anderen wett. Auch Kinder
mit einer geistigen oder Mehrfachbehinderung besuchen Sonderschulen und wohnen mit
ihren Eltern oder leben in einem Heim. Ihre geistige, körperliche und gefühlsmässige
Entwicklung verläuft unterschiedlich schnell. Während ihre geistige Entwicklung
einen grösseren Zeitraum beansprucht, verläuft die körperliche und gefühlsmässige
Entwicklung oft wie bei ihren Alterskameraden. Im täglichen Leben sind sie relativ
selbständig. Auch Jugendliche mit einer Behinderung erleben eine Pubertätsphase,
lernen ihren Körper kennen und verlieben sich. Die Schule ist neben dem
Elternhaus der wichtigste Ort, wo sich Kinder mit einer Behinderung persönlich
weiterentwickeln können. Diese Sonderschulen sind meist weit weg von zuhause, so
dass sie kaum Schulkameraden in der Nachbarschaft haben. Freiräume für eigene
Erlebnisse und eigene Regeln des Zusammenlebens in der Gruppe sind selten.
In der Familie nehmen sie durch ihre speziellen Bedürfnisse und
Möglichkeiten eine besondere Rolle ein. Die Spielregeln des täglichen Zusammenlebens
geben ihnen den nötigen Rückhalt für ihr Verhalten. Noch stärker als bei nicht
behinderten Kindern haben – neben vielen anderen Faktoren – ähnlich
alte Geschwister, die Abwesenheit eines Elternteils, die Erziehungsauffassungen der
Eltern und ihre Einstellung zur Behinderung des Kindes einen wesentlichen Einfluss
auf die Entwicklung des Kindes. Ihre Phantasie und
Begeisterungsfähigkeit kommt vielmals zu kurz, da sie vorwiegend von Erwachsenen
umgeben sind und neben der täglichen Therapie kaum Zeit für gemeinsames Spiel
bleibt. Sie lernen selten, ihre Rolle in der Gruppe Gleichaltriger zu finden, da
gemeinsame Freizeitangebote selten sind. Umso mehr geniessen sie
Gelegenheiten, sich austoben zu können.
Kinder und Jugendliche mit einer Behinderung – was wollen sie?
Wir unterscheiden zwei Gruppen von Kindern mit einer Behinderung: Kinder mit
einer körperlichen Behinderung und Kinder mit einer geistigen oder mehrfachen
Behinderung. Kinder mit einer körperlichen Behinderung wollen mit
Gleichaltrigen etwas unternehmen und Freundschaften aufbauen. Der Platz in der
Gruppe Gleichaltriger und das Mitmachen trotz Hindernissen sind ihnen sehr wichtig.
Sie brauchen die Sicherheit, «auch dazuzugehören». So haben sie die Möglichkeit, ihr
Leistungsvermögen zu demonstrieren und sich mit anderen zu messen.
Demgegenüber stehen die Bedürfnisse von Kindern mit einer geistigen oder mehrfachen
Behinderung. Rationales Denken ist ihnen weniger zugänglich, emotionales Empfinden
bestimmender. Ihre Interessen sind weniger altersspezifisch, sondern stärker von
ihren eigenen Möglichkeiten abhängig. Sie suchen Geborgenheit und Zuwendung; sie
brauchen einen sicheren Raum, um ihre Ängste zu überwinden, ihre Möglichkeiten
auszuprobieren und sich entfalten zu können. Ihre Phantasie lässt sie häufig nicht
zwischen Realität und Spiel unterscheiden. Für beide Gruppen gilt,
dass sie sich austoben, bewegen und dabei ihren Körper gebrauchen wollen. Sie wollen
sich im Spiel messen und auch gewinnen. Sie wollen die Welt entdecken, Fragen
stellen und Erfahrungen sammeln. In all diesen Bedürfnissen unterscheiden sich
Kinder und Jugendliche mit einer Behinderung nicht von ihren Altersgenossen.
Ziele der PTA
Um den Kindern und Jugendlichen mit einer Behinderung in der Pfadibewegung die
Möglichkeit zu geben, sich entsprechend ihren Bedürfnissen zu entwickeln, setzt sich
die PTA folgende Ziele:
 | Wir wollen Kindern und Jugendlichen mit einer Behinderung durch möglichst
verschiedenartige Aktivitäten helfen, nicht nur zu erleben, dass sie an Grenzen
stossen, sondern auch zu erfahren, dass sie eigene wertvolle Fähigkeiten und
Fertigkeiten haben. |
Pfadi mit einer Behinderung sollen:
 | Schritte selbständig unternehmen |
 | lernen zu verzichten |
 | lernen, einen Misserfolg einzustecken |
 | lernen, auszuwählen und sich zu entscheiden |
 | auch etwas, das ihnen nicht gefällt, annehmen |
 | sich völlig in eine Tätigkeit eingeben |
Wir wollen Kinder und Jugendliche mit einer Behinderung in einem sicheren
Rahmen und mit der nötigen Unterstützung dazu anleiten, ihre Behinderung nicht nur
als Last und Schicksal, sondern auch als Chance und Herausforderung
anzunehmen. Sie sollen lernen,
 | ihren Körper kennen zu lernen und sich mit ihm auszudrücken. |
 | ihren Körper zu pflegen und ihn vor Schaden zu bewahren. |
 | ihn bei sportlichen und handwerklichen Tätigkeiten richtig einzusetzen. |
 | ihre Behinderung wahrzunehmen. |
Wir wollen Kindern und Jugendlichen mit einer Behinderung helfen, ihren Platz
in der Gruppe zu finden und die Regeln des Zusammenlebens kennen zu lernen und zu
beachten. Sie sollen lernen,
 | nicht behinderten Kindern und Jugendlichen zu begegnen. |
 | sich für eine bestimmte Zeit aus ihrem familiären Rahmen zu lösen und
sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden. |
 | einen Platz in der Gruppe zu finden und ihren Teil zum Gruppenleben
beizutragen ohne immer im Mittelpunkt zu stehen. |
 | auf die Bedürfnisse der anderen Rücksicht zu nehmen. |
 | sich mit anderen auseinander zu setzen und sich gegenseitig zu
respektieren. |
 | mit Zuneigung und Liebe umzugehen. |
 | sich in einer anderen als der Familien- oder Heimumgebung zurechtzufinden. |
Wir fördern die Kreativität der Kinder und Jugendlichen mit einer Behinderung
und wollen sie zur Entdeckung ihrer Umwelt anleiten. Sie sollen:
 | Abenteuer erleben |
 | sich in der Natur wohl fühlen, sie achten und schützen |
 | verschiedene Techniken kennen und anwenden lernen |
 | ihre Region, ihre Stadt, ihr Dorf oder Quartier kennen |
Wir helfen mit, dass sich Kinder und Jugendliche mit einer Behinderung Gedanken
über die Probleme und Geheimnisse des Lebens machen und sich Fragen stellen. Wir
ermutigen sie, auch andere Ansichten und Über-Zeugungen gelten zu
lassen. Wir möchten sie dazu anleiten,
 | staunen zu können. |
 | Freude zu haben und weitergeben zu können. |
 | Schönheiten schätzen zu lernen. |
Methoden der PTA
Die Methoden der PTA entsprechen jenen der vier Stufen, den Möglichkeiten des
einzelnen Pfadi angepasst. Im Gegensatz zu anderen Pfadigruppen ist der
Anteil der Führer/innen bei der PTA viel grösser. Erst dies ermöglicht es,
intensiver auf die individuelle Bedürfnisse und Schwierigkeiten der einzelnen Pfadi
einzugehen. Die Betreuer/innen kennen die Kinder gut und können dadurch dafür
sorgen, dass jedem einzelnen Rechnung getragen wird. Jedes Gruppenmitglied soll
Platz für eigene Erfahrungen finden. Die Kinder sollen Neues erfahren, Unbekanntes
erforschen, normale Abläufe durchbrechen und dabei ihre Gestaltungsmöglichkeiten
erweitern. Durch erteilen von individuellen Aufgaben innerhalb der
Gruppe sollen die Kinder und Jugendlichen die Möglichkeit erhalten, gegenseitig
voneinander zu lernen, sich zu helfen und die Erfahrung zu machen, dass es auf alle
ankommt und jedes Pfadi einen Teil des Zusammenlebens übernehmen kann. Die
Gestaltung des eigenen Lebensraumes, wie Kochen und Körperpflege, das Gestalten der
Freizeit, das Bewältigen von alltäglichen Schwierigkeiten steht deshalb in der PTA
für die Kinder und Jugendlichen im Vordergrund. Daneben ist das
Ausbrechen aus dem Alltag sehr wichtig. Die Möglichkeit dazu ergibt sich vor allem
im Lager. Dort verbringen sie viel Zeit im Freien, übernachten unter freiem Himmel
oder im Zelt und üben das permanente Leben in einer Gemeinschaft. Sie lernen die
Schönheiten der Natur zu schätzen und sie nicht unnötig zu belasten. Dabei nimmt das
Spiel eine zentrale Rolle ein. Es ermöglicht, neue Mitglieder in eine Gruppe
einzuführen und alle miteinander vertraut zu machen. Auch lassen sich anhand des
Spiels viele Fertigkeiten erlernen und festigen. Insofern ist es wichtig, dass
Übungen und Lager nach einem bestimmten Quartalsthema gestaltet sind.
Dies erlaubt den Kindern und Jugendlichen, ihre Phantasie zu nutzen
und sich kreativ auszuleben. Im Spiel lernen sie, dass sie nicht immer gewinnen
können und auch auf andere Rücksicht nehmen müssen. Im Wesentlichen
bestehen in der PTA die gleichen Rituale wie bei anderen Pfadiabteilungen. Alle
Kinder und Jugendliche erhalten nach einer gewissen Zeit, die sie in der Gruppe
verbracht haben, einen Pfadinamen. Besonders wichtig sind auch die Übertritte von
einer Stufe in die andere. Diese Schritte bedeuten das Verlassen einer geschützten
Umgebung und müssen den Pfadi klar aufgezeigt und erklärt werden. Ein warmer Empfang
in der neuen Gruppe ist deshalb unerlässlich. Das Pfadi soll sich von Anfang an wohl
und akzeptiert fühlen.
Die PTA in Bulle
Wir treffen uns durchschnittlich ein Mal im Monat. Und zwar am Samstag von 9
bis 11Uhr30. Da unser Pfadilokal in der Nähe eines Waldes steht, können wir dort bei
schönem Wetter verschiedene Spiele organisieren. Andere Aktivitäten sind zum
Beispiel: Basteln, Wandern und Kochen. Wir organisieren auch einen Verkleidungsabend
für die Fasnacht. Paralell zu unseren regelmässigen Treffen, haben wir
auch die Möglichkeit an einem gemeinsamen Wochenende mit den anderen Pfadis der
Abteilung teilzunehmen. Wir haben auch im Sommer 2001 am Kantonallager, Enerd'ji@
teilgenommen. Jedes Mal ist es einen schönen Beweis der
Integration. Das was wir am liebsten haben sind aber die Sommerlager.
Seit einiger Zeit versuchen wir jedes Jahr ein SoLa zu organisieren. Auch wenn es
nicht immer einfach ist, dass alle Leiter dabei sind, da einige selbst schon Kinder
haben, oder berufstätig sind, finden wir trotzdem immer einige zusätzliche Personen,
die motiviert sind ein anderes Lager zu erleben. Dies verursachte, dass wir leztes
Jahr während 4 Tagen in Les Diablerets die Daltons verfolgten, die den Schatz der
Bank geklaut hatten. Wir haben viel gelacht, viel Sonne getankt und unvergessliche
Erinnerungen nach Hause mitgenommen!
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